GTS FINNJET passierte 1981 den Nord-Ostsee Kanal


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Karl-Heinz Brüggmann

GTS Finnjet im Nord-Ostsee Kanal 1981
Die GTS FINNJET bei ihrer ersten Nord-Ostsee Kanal Passage auf der Fahrt nach Amsterdam. Das Bild zeigt sie bei Brunsbüttel, wo sich 1981 die Hochbrücke noch im Bau befand

Die legendäre GTS FINNJET wurde 1977 von der Wärsilä Helsinki-Werft abgeliefert. Das damals bahnbrechende Schiff wurde speziell für den Deutschland-Finnland Verkehr entwickelt. Mit seinen beiden Pratt & Whitney vom Typ FT4C-1DLF, die zusammen eine Leistung von 55.000 kW (74.779 PS) erbrachten, erreichte es es Geschwindigkeit von 31,10 kn. Damit ist es noch heute das schnelleste mit konventionellen Rumpf gebaute Fährschiff.

 Mit dieser Reisegeschwindigkeit von 30,5 kn konnte die FINNJET die Strecke zwischen Travemünde und Helsinki in 22 Stunden, gegenüber 36 Stunden mit anderen Schiffen, zurücklegen. Durch ihr modernes Ladesystem betrugen die Hafenliegezeiten nur zwei Stunden. Dadurch wurden Abfahrten im 48 Stundenzyklus möglich.

 

 Das 215 m lange und 25 m breite Schiff, war mit seinen 25.908 BRT, später 32.975 BRZ und einer Kapazität von über 1.700 Passagieren, bei Indienststellung nicht nur das schnellste, sondern auch größte Fährschiff der Welt. Auf dem Fahrzeugdeck konnten bis zu 400 PKW´s untergebracht werden.

 

Allerdings wurde das Schiff  rasch von der Ölkriese eingeholt. Die hohen Treibstoffkosten ließen sie insbesondere in den Wintermonaten unwirtschaftlich werden. Mit einem Tagesverbrauch von bis zu 180 t Treibstoff  je Gasturbine, verbrauchte die FINNJET für eine Überfahrt mehr als 300 t Treibstoff. Dieses führte nach nicht einmal vier Jahren zu Gerüchten, die Eigner des Schiffes, die Enso-Gutzeit, wolle das Schiff aus dem Verkehr nehmen und verkaufen.  1981 entschied man sich für den zusätzlichen Einbau von zwei Dieselmotoren. Durch  sollte  in den Wintermonaten mit gewöhnlich  geringerem Passagieraufkommen, die Betriebskosten gesenkt und die Reisegeschwindigkeit auf 24 kn reduziert werden.

 

Nachdem ein Streik in Travemünde beigelegt war,  lief die FINNJET am 24.10.1981 von Travemünde zum Werftaufenthalt nach Amsterdam aus. Diese Reise führt sie erstmalig durch den Nord-Ostsee Kanal.

 Während ihres Aufenthaltes bei Droogdock Maatschappij wurden zwei Wärtislä-Vasa  18 V 32 Dieselgeneratoren, sowie zwei Elektromotoren eingebaut. Mit den zusammen 11.400 kW des Diesel-Elektrischen Antriebs konnte  der Treibstoffverbauch bei 24 kn auf nur noch 40 t Treibstoff/Tag gsenkt werden.  Nach einem weiteren Streik, und nachdem der Betrieb des Schiffes für ein Jahr garantiert wurde, kehrte die FINNJET am 13. Dezember 1981 nach Travemünde zurück. Dabei passierte sie ein zweites und auch letztes Mal den Nord-Ostsee Kanal.

 

1982 übernahm die Effoa 75 % der Anteile an der Finnjet. Im selben Jahr wurde von Finnlines die OY Finnjet Line Ltd gegründet.  1986 übernham Effoa  die restliche Anteile, sowie die Finnjet-Line.  Ab jetzt wehte im Radarmast die Silja Flagge und bald darauf wechselte auch die bisher blaue Rumpffarbe in ein Weiß. 1989 bis 1991 wurde für den Betrieb des Schiffes die Partrederiet för GTS Finnjet gegründet. Von dort wechselte sie bis 1993 wieder zur Effoa.  1991 gab es Überlegungen das Schiff um 20 m zu verlängern, doch diese Pläne wurden nicht umgesetzt. 1993 übernahm die Silja-Linie das Schiff. 1994 wurde bei HDW in Kiel Umbauten, wie die Panoramabar, vorgenommen. Damit erreichte die Finnjet jetzt 32.975 BRZ. Durch den Einbau neuer Getriebes war es jetzt möglich, die Gasturbinen und Dieselmotoren auch zusammen einzusetzen. Damit konnte der Antrieb in verschiedenen Konfigurationen gefahren werden. Die maximale Geschwindigkeit erhöhte sich auf 33,5 kn.

 

Ab 1999 wechselte man auf der Route nach Helsinki von Travemünde nach Rostock, mit Zwischstopp in Tallin. In den Wintermonaten verkehrte das Schiff zwischen Helsinki und Tallinn. Im selben Jahr übernahm die britische Sea Containers Ltd den Großteil der Anteile von Silja-Line, die sie 2002 vollständig übrnahm.

Ab 2004 wurde die FINNJET auf der neuen Route Rostock- Tallin- Sankt Peterburg eingesetzt. Aufgrund des fehlender Wirtschaftlichkeit wurde das Schiff in den Wintermonaten aufgelegt. Die Sommersaison 2005 wurde ihre Letzte in der Ostsee, das Schiff im September aus dem Verkehr genommen und zum Verkauf angeboten.

Nach dem Hurrican Katrina charterte die  LSU Medical School, Louisiana, sie  als Hotel und Notunterkunft. Nach der Atlantiküberquerung nahm sie im Oktober 2005 den Hotelbetrieb auf. Nach Ende der Charter im Juni 2006 lief sie Richtung Bahamas aus. Gleichzeitig verkaufte die Sea Containers  die Silja-Line an die estnische Talink-Group. Um das Schiff zu verkaufen, übernahm die Sea Conatiners Ltd die Finnjet und flaggte sie in das Bahama-Register um. In Freeport auf den Bahamas wurde das Schiff aufgelegt.

 Im November 2007 kaufte die niederländische Club Cruise das Schiff. Für den Umbau zum Kreuzfahrtschiff wurde die FINNJET Anfang 2008 nach Genua verlegt und in DA VINCI umbenannt. Aufgrund der hohen Kosten wurde Plan aber nicht umgesetzt.  Im Mai 2008 wurd bekannt, dass sie ereut verkauft wurde und unter dem Namen KINGDOM auf den Weg nach Indien gebracht wurde. Am 19.  Juni wurde das Schiff in Alang, Indien, auf den Strand gesetzt. Es konnte noch ein Aussetzen der Abbrucharbeiten erreicht werden. Doch nachdem alle Bemühungen das Schiff vorm Abwracken zu bewahren scheiterten, wurde am 12. September mit den Abbrucharbeiten begonnen.

 

Man mag bei der FINNJET schon parellelen zu Concorde ziehen. Als 1973 der Vertrag zum Bau des Schiffes unterzeichnet wurde, war auch sie ein Kind des technisch Möglichen. Wie bei der Concorde, sollte ihr einzigartiges Konzept und  ihre einmalige Geschwindigkeit sie mit einer ständigen Unwirtschaftlichkeit begleiten und letztlich das Aus bereiten. Doch eines dürfte geblieben sein, die Erinnerung an ein legendäres Fährschiff.

 Mit dem Bild ihrer ersten Kanalpassage möchte ich an die GTS FINNJET erinnern.


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