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Christina Wagner

Gerne möchte ich Ihnen heute die Spezialschiffe der chinesischen ZPMC vorstellen. Die ZPMC (Zhenhua Port Machinery Company Limited) wurde 1992 mit Hauptsitz in Shanghai gegründet. Das Unternehmen hat sich auf den Bau von Hafenequipment spezialisiert. Hierzu zählen unter anderem Containerbrücken und gummibereifte Portalkrane. Für den Transport steht eine eigene Flotte von Spezialschiffen zur Verfügung. Seit 2009 firmiert ZPMC unter Zhenhua Heavy Industries Company Limited.
Die aktuelle Flotte umfasst 26 Transportschiffe. Diese besteht aus speziell gebauten und für diesen Zweck umgebauten Frachtschiffen. Zu den letztgenannten Schiffen gehören die drei Heavy Load
Deck Carrier ZHEN HUA 25, ZHEN HUA 26 und ZHEN HUA 27. Im Folgenden werden diese aus ehemaligen Tankern entstandenen Schiffe vorgestellt.
Geschichte der Schiffe
Die Geschichte der Schiffe beginnt mit deren Bau als Tankschiffe. Die Amoco Ocean Tanker Co. mit Sitz in Monrovia hat bei der japanischen Mitsubishi Heavy Industries Ltd. in Nagasaki den Auftrag
für drei Tanker mit einer Tragfähigkeit von jeweils 81.000 Tonnen erteilt. Am 1. Juni 1988 erfolgte die Ablieferung des ersten Schiffes, die OCEAN EXPLORER. Im November 1988 folgte die OCEAN
NAVIGATOR und am 22. August 1989 wurde das Trio durch die OCEAN LEADER vervollständigt.
Im Jahr 1993 erfolgte die Übernahme der drei Schiffe durch die Bona Shipholding Ltd. mit Sitz in Nassau. Die Schiffe wurden von der Bona Shipping A/S, Oslo, betrieben, einem Tochterunternehmen
der Leif Höegh & Co. A/S. Im Zuge der Übernahme erhielten die Schiffe neue Namen. Die OCEAN EXPLORER wurde in BONNA SKIPPER, die OCEAN NAVIGATOR in BONNA SPINNER und die OCEAN LEADER in BONNA
SHIMMER umbenannt.
Im Jahr 1999 wurde die Bona Shipholding Ltd. an die norwegische Teekay Shipping A/S in Oslo veräußert, inklusive sämtlicher Schiffe. Im Rahmen dieser Umstrukturierung wurden auch die Schiffe
umbenannt. Die "BONA SKIPPER" wurde in "COLUMBIA SPIRIT", die "BONA SPINNER" in "HUDSON SPIRIT" und die "BONA SHIMMER" in "SABINE SPIRIT" umbenannt.
Im Jahr 2005 trennte sich die Teekay Shipping von den Schiffen. Die COLUMBIA SPIRIT wurde an die Albion Marine Inc., Singapur, veräußert und lief fortan unter dem Namen YELLOW SEA. Die HUDSON
SPIRIT wurde an die ebenfalls in Singapur ansässige Gwendir Navigation S.A. veräußert und in CHINA SEA umbenannt. Die "SABINE SPIRIT" wurde an die "Hibana Shipping S.A.", ebenfalls Singapur,
veräußert und in "RED SEA" umbenannt. Eigentümer der Tochtergesellschaften und Betrieber der Schiffe war die Tanker Pacific Management in Singapur.
Im Jahr 2008 erwarb die ZPMC die Schiffe und ließ sie zum Transport von schweren Decksladungen als Schwergutschiffe umbauen. Im Anschluss verließen die YELLOW SEA als ZHEN HUA 25, die CHINA SEA
als ZHEN HUA 26 und die RED SEA als ZHEN HUA 27 den Hafen. Seither werden die Schiffe von der ZPMC hauptsächlich für den Transport von Hafenkranen und Containerbrücken eingesetzt. Darüber hinaus
werden die Schiffe auch für andere Transporte eingesetzt, beispielsweise für den Transport von Offshore-Windkraftanlagen.
| Name: | IMO: | B-Nr.: | Bau-Name: | Ablieferung: | Umbau: | Status: |
| ZHEN HUA 25 | 8700242 | 2007 | OCEAN EXPLORER | 01.06.1988 | 03.2008 | in Fahrt |
| ZHEN HUA 26 | 8700254 | 2008 | OCEAN NAVIGATOR | 01.11.1988 | 12.2008 | in Fahrt |
| ZHEN HUA 27 | 8710182 | 2009 | OCEAN LEADER | 22.08.1989 | 03.2009 | in Fahrt |
Der Umbau:
Die als Tanker gebauten Schiffe hatten eine Länge von über 233,60 Metern, eine Breite von 44,10 Metern sowie sieben Ladetanks mit einem Volumen von insgesamt 96.024 Kubikmetern. Bei einem Tiefgang von ca. 12 m betrug die Tragfähigkeit der Schiffe 81.274 t.
Der Umbau der Schiffe wurde bei der Shanghai Zhenhua Heavy Industries Co. Ltd. durchgeführt. Aufgrund ihrer zukünftigen Aufgabe als Schwergut Deck Carrier musste der Bereich der ursprünglichen
Ladetanks neu gestaltet werden.
Einerseits musste das Deck für die zukünftig hohen Decklasten entsprechend verstärkt gestaltet werden. Andererseits würde die neue Konfiguration der Schiffe nicht mehr den ursprünglichen Tiefgang
von 12 Metern erreichen. Während der Bug- und der Heckbereich ihre Seitenhöhe von 18,10 m beibehielten, wurde das neu gestaltete Ladedeck mit einer Seitenhöhe von 13,50 m versehen. Dies war
notwendig, um die Stabilität der Schiffe an die hohen Deckslasten anzupassen. Im Rahmen des Umbaus wurde eine Ladefläche von 6.882 m² geschaffen, die eine Länge von 156,42 m und eine Breite von
44,00 m aufweist. Die Länge und Breite der Schiffe wurde bei den Umbauten nicht verändert.
Ebenso musste das Ballastwassersystem den Erfordernissen angepasst werden. Um die erforderliche Stabilität der Schiffe sicherzustellen, war die Installation einer Vielzahl von Ballasttanks im
Bereich der Ladedecks unerlässlich. Dies ermöglicht eine sehr genaue Trimmung der Schiffe. Das Gesamtvolumen der Ballastwassertanks beträgt 57.980 m³. Um eine optimale Anpassung der Höhe des
Ladedecks an die Kaianlagen zu gewährleisten, ist diese große Menge auch bei einer seitlichen Beladung erforderlich. Der Tiefgang kann dabei fast die gesamte Seitenhöhe von 13,50 m erreichen.
Die Maschinenanlage der Schiffe besteht aus jeweils einem 2-Takt-6-Zylinder-Dieselmotor des Typs Sulzer 6RTA68, der von Mitsubishi gebaut wurde. Der Motor verfügt über einen Kolbendurchmesser von 680 mm und einen Kolbenhub von 1.600 mm und erreicht eine Leistung von 11.033 kW. Angetrieben über einen Festpropeller erreichen die Schiffe damit eine Geschwindigkeit von 16 Knoten.
Für die Stromversorgung der Bordsysteme sind an Bord drei Dieselgeneratoren mit einer Leistung von jeweils 850 kW installiert.
Die Daten der Schiffe im Überblick:
| GT: | 38.255 |
| NT: | 11.476 |
| DWT: |
49.099 (Zhen Hua 25) 49.060 (Zhen Hua 26) 49.116 (Zhen Hua 27) |
| Länge über alles: | 233,60 m |
| Länge z. d. Loten: | 224,00 m |
| Breite: | 44,00 m |
| Seitenhöhe: |
18,10 m (Bug- und Heckbereich) 13,50 m (Ladedeckbereich) |
| Tiefgang: | 8,50 m |
| Ladedeck: | 156,42 m Länge x 44,00 m Breite |
| Decksfläche: | 6.882 m² |
| Ballastwasser: | 57.980 m³ |
| Hauptmaschine: | 1 x Mitsubishi/Sulzer 6RTA68 mit 11.033 kW |
| Hilfsmaschinen: |
3 x Dieselgneratoren mit je 850 kW 1 x Notstromaggregat |
| Propeller: |
1 x Festpropeller |
| Bugstrahlruder: |
nein |
| Geschwindigkeit: |
16,0 kn |
ZHEN HUA 26 und ZHEN HUA 27 mit neuen Containerbrücken für HHLA Burchardkai

Die wachsende Größe der Containerschiffe veranlasste die HHLA die Kapazität ihres Terminals Burchardkai den Anforderungen für die Aberfertigung von Containerschiffen der 24.000 TEU Klasse anzupassen. Hierfür wurden die alten, für die Abfertigung derartiger Schiffe zu keinen Containerbrücken am Liegeplatz 6 durch neue Containerbrücken eresetzt.
Die neuen Containerbrücken wurden von der chinesischen ZMPC hergestellt. Mit dem neuen, von der chinesischen ZMPC hergestellten Containerbrücken, wurde am CTB Liegeplatz 6 ein zusätzlicher Platz
zur Abfertigung von Containerschiffen der 24.000 TEU Klasse geschaffen.
Die Containerbrücken weisen ein Gewicht von 2.480 Tonnen auf und erreichen eine Auslegerlänge von 80 Metern. Damit können Schiffe mit bis zu 26 Containerreihen angefertigt werden. Im
aufgetoppten Ruhezustand erreichen die Brücken eine Höhe von 138 Metern. In Arbeitsstellung beträgt die Höhe der Brücken noch 89 Meter. Die Hubhöhe der Brücken beträgt 49,5 m. Die Ausstattung mit
zwei Spreadern erlaubt den gleichzeitigen Umschlag von zwei 40-Fuß- oder vier 20-Fuß-Containern. Die maximale Tragkraft der Containerbrücken beträgt 110 t.

Da die Containerbrücken nicht unter der Köhlbrandbrücke hindurch mussten, konnten sie vollständig montiert transportiert werden. Dennoch gab es im Bereich der Elbe zwei Hindernisse. Hierbei
handelte es sich um die beiden Hochspannungsleitungen der Elbkreuzungen 1 und 2, die über die Elbe hinweggeführt werden.
Die Elbkreuzung 1 wurde 1968 fertiggestellt und die Elbkreuzung 2 wurde 1978 in Betrieb genommen. Die Masten der Elbkreuzungen 1 und 2 sind mit 189 bzw. 227 Metern Höhe ein markantes Wahrzeichen
der Region.
Gemäß den technischen Spezifikationen beträgt die Durchfahrtshöhe der beiden Leitungen 75 Meter. Die Containerbrücken überstiegen mit rund 90 m über Deck diese Durchfahrtshöhe deutlich.
Um diese Engstelle passieren zu können, musste die Schiffe an den äußersten Rand des Fahrwassers manövriert werden. Die Stromleitungen weisen hier die erforderliche Höhe auf. Aus diesem Grund
mussten die Schiffe in diesem Bereich Slalom fahren. An der ersten Elbkreuzung war eine Annäherung an das Ufer von Schleswig-Holstein erforderlich, während an der zweiten Elbkreuzung eine
Annäherung an das Ufer von Niedersachsen notwendig war.
ZHEN HUA 27 bringt die ersten drei Containerbrücken

Am 5. November 2019 passierte die ZHEN HUA 27 mit den ersten drei neuen Containerbrücken die Elbe in Richtung Hamburg. Neben den drei Containerbrücken für den CTB hatte sie noch drei gummibereifte Portalkrane, sogenannte Rubber tyred gantry crane (RTG), für den Terminal im ägyptischen Damietta geladen. Die Tragkraft dieser Kräne beträgt 40 Tonnen. Die RTGs sind für das Überfahren von sieben Containerreihen mit bis zu fünf Lagen konzipiert. Nach der Ablieferung der Containerbrücken in Hamburg setzte die ZHEN HUA 27 daher ihre Reise am 24. November nach Damietta fort.











ZHEN HUA 26 bringt zwei weitere Containerbrücken
Nachdem die ZHEN HUA 27 ihre drei Brücken für den Liegeplatz 6 am CTB abgeliefert hatte, wurden die restlichen zwei der insgesamt 5 Containerbrücken am 5. Mai 2020 nach Hamburg gebracht. Diesen Transport übernahm das Schwesterschiff ZHEN HUA 26, die die Elbe mit den beiden Containerbrücken bei schönsten Wetter passierte. Das Schiff wirkte mit nur zwei Brücken leere wie ihre Schwester zuvor. Allerdings war sie nicht nur mit diesen beiden Containerbrücken von China nach Europa gekommen, sondern hatte vier Brücken geladen. Bevor sie Hamburg anlief hatte sie schon zwei ähnliche Containerbrücken für den Rotterdam World Gateway (RWG) in Rotterdam angeliefert.












Zweites Leben für die ausrangierten CTB Containerbrücken
Von den ausrangierten Containerbrücken fanden zwei ein "neues Leben" im estnischen Muuga. Nach 16 Dienstjahren in Hamburg wurden die beiden je 1.400 t schweren Containerbrücken auf einen Ponton verladen. Am 29. Juni 2021 verließ der Schleppverband Hamburg in Richtung Muuga. Mit einer Auslegerlänge von 50 m können sie 21 Containerreihen überspannen. Ihre Tragkraft liegt bei 70 t und die Hubhöhe beträgt 50 m. Während sie in Hamburg nicht mehr den Anforderungen der 24.000 TEU Schiffe gerecht werden konnten, gehören die nun beim HHLA TK Estonia Terminal eingesetzten Containerbrücken zu den größten im baltischen Raum.

