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Havarie der MSC REGULUS vor Glückstadt


Beitrag:

Christina Wagner

Die antriebslose MSC REGULUS auf der ELBE bei Glückstadt liegend

MSC REGULUS Notankerung bei Glückstadt
Gegen 7.30 Uhr musste die MSC REGULUS bei Glückstadt wegen technischen Ausfalls Notankern. Von Schleppern und dem Polizeiboot Bürgermeister Brauer gesicherte liegt sie im Fahrwasser der Elbe

Die MSC REGULUS hatte am frühen Morgen den Terminal Eurogate in Hamburg Richtung Antwerpen verlassen. Gegen 6.30 Uhr kam es vor Glückstadt, in Höhe der Störmündung, zum einer Betriebsstörung. Offensichtlich war die Hauptmaschine des Schiffes ausgefallen. Die MSC REGULUS musste in Höhe der Tonne 76 notankern. Auf Grund des Ebbstroms drehte sich das Schiff dabei um 180 Grad. Nach Medienmeldung soll sie dabei mit dem Bug Grundberührung gehabt haben.

 

Der Schiffsverkehr auf der Elbe musste für größere Schiffe gesperrt werden. Nur kleine Schiffe konnten den Havaristen passieren. Größere Schiffe mussten warten und umdrehen. So war z. B. die MSC MARGARITA auf dem Weg nach Hamburg und drehte in Höhe Wewewelsfleth, kurz vor dem Havarieort, in der Elbe um und lief wieder in die Nordsee.

Die MSC REGULUS nach Notankerung im Fahrwasser der Elbe bei Glückstadt
Nur kleinere Schiffe, wie hier der Hopper-Dredger KAISHUU konnten die in der Elbe liegende MSC REGULUS noch passieren.

Zur Sicherung der MSC REGULUS liefen der Notfallschlepper FAIRPLAY 35 aus Bützfleth, sowie die Schlepper Fairplay 36, VB RASANT  und VB BISON aus Hamburg und die FAIRPLAY INAGUA aus Brunsbüttel zum im Strom liegen Schiff. Die FAIRPLAY 35 und FAIRPLAY 36 übernahmen die Position als Heckschlepper. Am Bug sicherten die VB BISON und VB RASANT  die MSC REGULUS. Aufgrund des starken Windes legte sich die FAIRPLAY INAGUA an die Backbordseite und sicherte gegen die Winddrift. Damit die MSC REGULUS sich beim einsetzender Flut nicht erneut in die Strömung dreht, mussten die Heckschlepper das Schiff auf Position halten.

Die MSC REGULUS nach Notankerung auf der Elbe bei Glückstadt
Die nach der Notankerung im Fahrwasser liegende und von Schleppern gesicherte MSC REGULUS

Gegen Mittag wurde damit begonnen die MSC REGULUS zurück nach Hamburg zu Schleppen. Zur Sicherung begleitete das Polizeiboot Bürgermeister Brauer den Verband.

 

Die nachfolgenden Aufnahmen entstand bei miesen Wetter in Höhe Steindeich. Bei Pagensand wurde der an der Backbordseite drückende Schlepper FAIRPLAY INAGUA durch die aus Hamburg kommende VB PERFECT ersetzt. Die FAIRPLAY INAGUA kehrte nach Brunsbüttel zurück.

 

Der Schlepperverband mit der MSC REGULUS bei Steindeich

MSC REGULUS wird nach HAVARIE bei Glückstadt nach Hamburg geschleppt.
Bei böigen westlichen Winden und Nieselregen passierte der Schleppverband mit rund 5 Knoten Steindeich in Richtung Hamburg
VB BISON und VB RASANT im Einsatz bei der MSC REGULUS
Als Bugschlepper zogen die VB BISON und die VB RASANT die MSC REGULUS Richtung Hamburg
FAIRPLAY INAGUA im Einsatz bei der havarierten MSC REGULUS
Auf Grund des böigen Windes sicherte die FAIRPLAY INAGUA die MSC REGULUS seitlich. Sie wurde später von der VB PERFECT abgelöst.
Fairplay Inagua beim Schlepp der MSC REGULUS
Die FAIRPLAY INAGUA drückt an der Backbordseite der MSC REGULUS gegen den Winddruck auf der Steuerbordseite
Notfallschepper FAIRPLAY 35 und der Hafenschlepper FAIRPLAY 36 sicherten die MSC REGULUS
Der Notfallschlepper für die Elbe, die FAIRPLAY 35 (im Hintergrund) und die FAIRPLAY 36 sicherten die MSC REGULUS als Heckschlepper.
Fairplay 35 und Fairplay 36 beim Schepp der antriebslosen MSC REGULUS
Während die FAIRPLAY 36 die MSC REGULUS auf Kurs hält, zieht die FAIRPLAY 35 das Heck des Schiffes nach Steuerbord gegen die Windrichtung
Die von Schleppern gesicherte MSC REGULUS auf dem Weg nach Hamburg
Von Schleppern gezogen und gesichert lief die MSC REGULUS langsam in Richtung Hamburg.

Mit einer Kapazität von 13.100 TEU gehört die MSC REGULUS heute schon zu den kleineren Megacarriern. Sie wurde am 21. Mai 2012 von der südkoreanischen Hyundai Heavy Industries, Ulsan, abgeliefert. Sie ist eines von insgesamt 62 Containerschiffen des Hyundai Standardtyps 13.000 TEU die von der Hyundai Heavy Industries zwischen 2010 und 2018 abgeliefert wurden. Das Schiff hat eine Länge von 366,57 m, eine Breite von 48,20 m und einen Tiefgang von maximal 16,5 m. Bei einer GT von 141.635 hat die MSC REGULUS eine DWT von 155.851 t.

 

Angetrieben wird sie von einem 12 Zylinder  2-Takt Dieselmotor des Typs MAN-B&W/Hyundai 12K98ME mit einer Leistung von 72.760 kW. Es scheint wahrscheinlich, dass ein Defekt  zum Ausfall der Hauptmaschine und zu der Notankerung geführt hat.

 

Am späten Nachmittag wurde die MSC REGULUS an den Dalben beim Airbuswerk in Finkenwerder festgemacht. Hier soll die Ursache für den Maschinenausfall untersucht und die Reparatur durchgeführt werden. Gegen 17.30 Uhr wurde als letzter Schlepper, der Elbe-Notschlepper FAIRPLAY 35, entlassen und lief nach Bützfleth zurück.

 

Ergänzung:

Die MSC MARGARITA, die am Morgen auf der Elbe drehen musste, war bis zur Außenelbe Reede 1 gefahren, um dann wieder die Reise in Richtung Hamburg aufzunehmen. Gegen 18.30 passierte sie schließlich Steindeich.

Containerschiff MSC Margarita
Die MSC MARGARITA musste am Morgen wegen der Haverie der MSC REGULA auf der Elbe drehen und in der Nordsee auf die Freigabe der Elbe warten

 

Bei der 2002 gebauten MSC MARGARITA  muss ich leider anmerken, dass die Maschinenanlage wohl nicht im besten Zustand zu sein scheint. Schon seit man sie auf der Webcam bei Cuxhaven sah, zog sie die ganze Zeit auf der Fahrt Richtung Hamburg eine gewaltige schwarze Abgaswolke hinter sich her.  Da der Wind aus westlichen Richtungen kam, wurde man am Ufer in eine stinkende Wolke gehüllt. Eine saubere Schifffahrt sieht wohl anders aus.

Dunkle Abgaswolken bei der MSC MARGARITA.
Die schwarze Abgaswolke der MSC MARGARITA verschleierte die Sicht auf den Aufbau und dem Schornstein mit Scrubber.
MSC MARGARITA Containerschiff
So wie bei der MSC MARGARITA sollte eine moderne und immisionsreduzierte Schifffahrt wohl nicht aussehen.

Update: 12. Oktober 2023

In der Nacht wurde die MSC REGULUS  mit Hilfe von vier Schleppern von den Pfählen bei Finkenwerder zum Athabaskakai geschleppt. Gegen 3.30 Uhr wurde sie dort festgemacht. Hier am Kai können Ersatzteile und Spezialisten einfacher an Bord genommen werden. Dieses deutet darauf hin, dass die Maschinenanlage mit reinen Bordmitteln nicht repariert werden kann.

 

Update: 13. Oktober 2023

Die MSC REGULUS wurde am frühen Morgen vom Athabaskakai zum Eurogate-Terminal verlegt. Gegen 6 Uhr hat sie am Terminal Liegeplatz 2/3 festgemacht. Nach Segelliste von Eurogate soll sie am 14. Oktober um 19.00 Uhr ablegen.

 

Update: 15. Oktober 2023

Die MSC REGULUS liegt noch immer am Terminal Eurogate. Der Termin am 14. wurde zunächst auf den 15. Oktober 13.00 Uhr verlegt. Aber auch dieser Termin konnte nicht gehalten werden. Nach neusten Meldungen der Segelliste ist die Abfahrt auf den 16. Oktober 21.00 Uhr verschoben. Dieses und das sich während der gesamten Zeit die Containerbrücken sich in Ruhestellung befinden,  lässt vermuten, dass sich die Reparturen an der Maschinenanlage noch weiter hinzieht.

 

Update: 16. Oktober 2023

Die Reparatur wurde abgeschlossen. Kurz vor 20.00 Uhr legte die MSC REGULUS in Hamburg ab. Zur Sicherheit blieb die VB RESOLUT als Heckschlepper zunächst noch mit der MSC REGULUS verbunden. Um 22.20 Uhr wurde der Schlepper, fast genau  auf der Position der Havarie vom 11. Oktober, vor Glückstadt entlassen und lief nach Hamburg zurück. Die MSC REGULUS setzte ihre Fahrt nach Antwerpen alleine fort.


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Kommentare: 2
  • #1

    Karl-Heinz Brüggmann (Mittwoch, 11 Oktober 2023 22:30)

    Dieser Beitrag entspricht mal wieder meinen Vorstellungen, als ehemaliger Seemann im Maschinenbereich. Neben dem Hauptakteur MSC REGULUS und den Umständen, kommen hier auch die hilfeleistenden Schlepper nicht zu kurz.
    Ein modernes Containerschiff (MAGARITA) mit Kohlefeuerung?
    Nein, hier wurde die Maschine wohl "etwas" vernachlässigt. Wäre damals in meiner Zeit der Seefahrt so etwas vorgekommen, hätte es schon gewaltigen Ärger mit dem Kapitän gegeben. Bei den leitenden technischen Offizieren , die ich erlebt habe, wäre so eine Abgasfahne undenkbar gewesen. Das hätte sie in ihrer Ehre gekränkt.

  • #2

    Vollo (Freitag, 13 Oktober 2023)

    Moin,Top ,danke