Beitrag von:
Christina Wagner

Um für einen möglichen Einsatz in der Straße von Hormus gerüstet zu sein, hat die Bundesregierung die Verlegung eines Minenjagdbootes beschlossen. Nach einem Friedensabkommen und einem Mandat des Bundestags soll ein internationaler Verband unter Umständen bei der Sicherung der Straße von Hormus und der Räumung möglicher Minen unterstützt werden.
04. Mai: Feierliche Verabschiedung in Kiel
Am 4. Mai wurde die „FULDA” im Heimathafen Kiel feierlich verabschiedet. Mit Klängen des Marinemusikkorps verließ sie ihren Heimathafen vermeintlich in Richtung Mittelmeer. Was dem aufmerksamen
Beobachter aufgefallen sein dürfte: Sie lief nicht in den Nord-Ostsee-Kanal, sondern in die Ostsee. Am Abend warf schließlich sie vor Eckernförde den Anker und verbrachte dort die Nacht.
05. Mai: Rückkehr in den Heimathafen Kiel
Am nächsten Morgen machte sie sich wieder auf den Weg. Nach der großen Verabschiedung lief sie bereits einen Tag später wieder in ihren Heimathafen Kiel ein, was doch etwas erstaunlich war. Gegen
Mittag machte sie dort wieder fest.
06. Mai: Auslaufen Kiel nach Bündsdorf WTD 71
Erst am nächsten Tag, dem 6. Mai, lief sie gegen 11 Uhr wieder aus – dieses Mal ohne Verabschiedung – und nahm Kurs auf die Kieler Schleusen, die in den Nord-Ostsee-Kanal führen. Wer glaubte, sie
würde nun in Richtung Brunsbüttel fahren, irrte erneut. Kurz vor Rendsburg bog sie zum WTD 71 bei Bündsdorf ab. Mit Unterstützung der kleinen Marineschlepper BORBY und des Schleppers FALKENSTEIN
der Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel wurde die FULDA in das Becken der Messanlage manövriert. Dort wurde die magnetische Signatur der FULDA vermessen und ihr wurde eine Tarnkappe übergezogen.
Dies ist besonders wichtig für Schiff und Besatzung. So wird die Gefahr reduziert, dass die FULDA selbst Opfer von Minen wird.
Während man glaubte, die FULDA sei längst auf dem Weg ins Mittelmeer, lag sie nun nur wenige Kilometer von Kiel entfernt in Rendsburg. Nach der großen Verabschiedung hatte wohl niemand damit
gerechnet, dass die FULDA noch immer in Schleswig-Holstein lag. Am 7. Juni erschien der erste Bericht in der SHZ, wobei anzumerken ist, dass sich die Marine laut SHZ überaus bedeckt gab. Aus
einsatztaktischen Gründen wurde nicht genannt, wann die FULDA nun endgültig Kurs auf das Mittelmeer nehmen sollte.
08. Mai: Kurs Mittelmeer
Am Freitag, dem 8. Mai, sollte es dann aber soweit sein. Gegen 10 Uhr hieß es für die „FULDA“: „Leinen los!“ Mit Unterstützung der BORBY und diesmal des Schleppers SEEMÖWE wurde das Schiff aus
der Anlage des WTD gezogen. Nach der Verabschiedung am Montag nahm sie am Freitag Kurs auf Brunsbüttel und starte ihre Reise in Richtung Mittelmeer.
Bei der Marine nennt man dieses Vorgehen wohl taktisches Verwirrspiel zum Schutze des Schiffes. Dabei sollte man sich aber nicht wundern, wenn dieses entdeckt wird, auch Fragen aufkommen. Auch wenn vielleicht alles nach Plan (oder auch nicht?) verlief, kann man nach der medienwirksamen Verabschiedung am Montag Richtung Mittelmeer im öffentlichen Bild durchaus von einer Verzögerung sprechen. Ob sich die Marine mit diesem Szenario einen Gefallen getan hat, überlasse ich dem Leser.

Sei es drum, auf jeden Fall kann man nun sagen: Die Fulda ist nun tatsächlich auf dem Weg ins Mittelmeer. Dort soll sie sich mit dem schon vor Ort befinlichen Tender Mose A 512 treffen und sich
dem Nato-Minenabwehrverband 2 anschließen. Noch ist es offen, ob die Reise sie auch in die Golfregion führen wird. Mir bleibt zum Schluß, dem Boot und seiner Besatzung eine gute Reise und ihnen
für ihren Einsatz Erfolg und eine gesunde Heimkehr zu wünschen.

Update: FULDA am 9. Mai bei Helgoland liegend

Nachdem die FULDA den Nord-Ostsee-Kanal verlassen hatte und in die Nordsee fuhr, wähnte ich sie auf der Fahrt in Richtung Englischer Kanal. Umso verwunderter war ich, als mein Bruder mir berichtete, er habe die FULDA am Morgen auf der AIS-Karte vor Helgoland liegend entdeckt. Als ich nachschaute, wurde sie tatsächlich 2 Seemeilen südlich Helgolands angezeigt. Allerdings hatte sie ihr AIS-Signal am frühen Morgen des 9. Mai abgeschaltet. Seither ist die medienwirksam verabschiedete FULDA zu einem Geisterschiff geworden. Verwirrend ist jedoch ihre letzte AIS-Angabe. Als letzter Hafen war Brunsbüttel angegeben, damit die Passage der Schleusenanlage. Das Ziel war, man mag sich wundern, DE KEL (Kiel). Hat sich da jemand bei der Eingabe vertippt? Das Verwirrspiel der letzten Tage scheint sich fortzusetzen. Da die Marine aus einsatztaktischen Gründen den Mantel des Schweigens über die Verlegung der FULDA gelegt hat, darf man gespannt sein, wann oder ob die erfolgreiche Verlegung nach Kreta überhaupt öffentlich verkündet wird.

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