· 

ENERGO FORCE auf dem Weg nach Bützfleth


Beitrag:

Christina Wagner

Schwimmendes Terminalschiff Energo Force auf den Weg nach Bützfleth.
Die ENERGO FORCE mit einem Ring aus Polizeitbooten in den frühen Morgenstunden auf der Elbe in Richtung Bützfleth unterwegs. Bei den Lichtpunkten um das Schiff handelt es sich um begleitende Polizeiboote.

Heute um 4.30 Uhr schaute ich doch etwas verwundert. Bei Brunsbüttel wurden auf der AIS-Karte zahlreiche Polizei- und andere Behördenbotte angezeigt. Mitten zwischen den Booten ein großes Schiff. Es war die ENERGO FORCES, die als  Floating Storage and Regasification Unit - (FSRU), schwimmendes Terminal, in Bützfleth eingesetzt werder soll. Trotz der Dunkelheit entschied ich mich diesen, angesichts des enormen Polizeiaufgebots, historischen Moment auf Fotos festzuhalten.

Kurz nach 5.30 Uhr schob sich die ENERGO FORCE bei Steindeich mit fast 15 Knoten in Richtung Bützfleth. Man hatte es doch recht eilig, was die Fotos bei den Belichtungszeiten nicht einfacher machte.

Die ENERGO FORCE wurde von rund einem dutzend Polizeibooten regelrecht abgeschirmt. Übern Kopf sah und hörte man einen kreisenden Polzeihubschrauber. Es hatte fast etwas gespenstisches in der langsam einsetzenden Morgendämmung. Man hätte denken können, das Schiff würde das Gold von Fort Knox befördern. Aber es ist nur ein Gastanker, der als schwimmender Terminal in Bützfleth dienen soll.


Bützfleth LNG Terminal Schiff Energo Force auf der Elbe
Die schiebt sich in Begleitung von Polizeibooten in Richtung Stade
Schwimmendes LNG Terminal Schiff Energo Force
Die ENERGO FORCE wird nur von der Deckbeleuchtung erleuchtet
LNH Terminalschiff ENERGO FORCE mit Polizeibegleitung auf dem Weg nach Bützfleth
Das aufgehellte Bild zeigt die zahlreichen Lichtpunkte-Polizeiboote- um die ENERGO FORCE herum.

Bei dem Polizeiaufgebot ging man wohl davon aus, dass die ENERGO FORCE mit überschwenglicher Freude empfangen werden könnte.

 

Schon am 28. Februar 2024, als sie mit einer Ladung LNG Gas aus den USA  an der als schwimmenden Terminal eingesetzten HOEGH GANNET  in Brunsbüttel  festmachte, wollten einige Gäste, wohl kritische Gäste, das zukünftige LNG-Terminal Schiff  in Schlauchbooten "willkommen heißen". Ohne überhaupt in die Nähe des Schiffes gekommen zu sein wurden sie von einem Behördenboot freundlichst an Land begleitet.

 

Nach letzten Umbauten zum schwimmenden LNG-Terminal in Rotterdam nimmt die ENERGO FORCE heute ihren Liegeplatz am neuerrichteten LNG-Terminal in Bützfleth ein. Man ging wohl davon aus, dass ein Begrüßungskomitee das Schiff empfangen könnte. Daher wurde es wie eine Wagenburg rundherum abgesichert.

 

In über 40 Jahren Schiffsfotografie hat man schon mal Schiffe in Begleitung von Polizeibooten erlebt, aber in einen solchen Ausmaß, nein, so noch nicht. An Land sollen gar Hunderschaften der Polizei die Ankunft des Schiffes in Stade sichern.

 

Nach einem Probebetrieb wird der Terminal Bützfleth Ende des Monats seinen Betrieb aufnehmen. Nach Wilhelmshaven, Brunsbüttel und dem in Januar eröffneten Terminal in Ludmin wird Bützfleth als vierter von fünf LNG-Terminals in Betrieb gehen.

 

In Wilhelmshaven wird derzeit ein zweiter Terminal gebaut. In Brunsbüttel haben letztes Jahr die Arbeiten für den neuen Liegeplatz der HOEGH GANNET begonnen. Zur Freude der,  vor allem wegen des Lärms klagenden Anwohner, noch näher am Wohngebiet. Hinzu kommen die Pipelinen, die die Terminals mit dem Gasnetz verdinden. So der Bau der Pipeline von Brunsbüttel in die Haseldorfer Marsch. Hierzu möchte ich auf meinen Beitrag vom 11. Mai. 2023 verweisen.

 


Nach dem wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine die Gaslieferungen aus Russland weggefallen sind, will die Bundesregierung die Verorgung mit Gas auch durch die schwimmenden Terminals sicherstellen. Bis zur Fertigstellung von festen Terminals sollen die FSRU Schiffe in Dienst bleiben. Diese Schiffe sind nicht nur wegen ihren Kosten, sondern auch wegen den Umweltbelastungen durch Lärm, Abgase und Abwässer durchaus umstritten und in der Kritik. Zudem werden die Errichtungen der Terminals mittels Beschleunigungsgesetzen umgesetzt, wodurch die Beteiligung der betroffenen Bürger nicht gerade "Sternstunden" erlebt. Es wird derart "beschleunigt", dass man im Februar 2024 im letzten Moment vor einer Stillegung der HOEGH GANNET in Brunsbüttel eine vorläufige Genehmigung erteilt hat. Das fehlen einer notwendigen umfassenden und gründlichen Prüfung für diese Genehmigung wird scharf kritisiert. Doch auch die Lage der LNG-Terminals in Brunsbüttel und Bützfleth werden wegen ihrer Nähe zu Wohngebieten und/oder chemischen Industrieanlagen skeptisch betrachtet. Dabei spielen nicht nur die Umweltbelastungen eine Rolle, sondern vor allem auch die Sicherheit  und die möglichen Folgen bei Störfällen.

 

Nach Medienberichten soll es in der Nähe von Glückstadt zu einer Protestaktion gegen die ENERGO FORCE durch zwei Schlauchboote mit vier Insassen gekommen sein.


Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Karl-Heinz Brüggmann (Samstag, 16 März 2024 08:07)

    Was ein Aufwand. Soll jetzt jeder LNG-Tanker so einen Geleitschutz bekommen? Was wäre, wenn jemand das Schiff mit einer Drohne von Land her ins Wesir genommen hätte? Braucht man da nicht ein Schiff mit den entsprechenden Abfangmöglichkeiten, der Bundesmarine als Geleitschutz?
    Hamburg hat ja nicht umsonst einen LNG-Terminal abgelehnt. Es steht außer Frage, dass selbst ein Unfall mit nachfolgender Explosion, im Umkreis von vielen Kilometern verheerende Auswirkungen haben wird. Deshalb sollten Industrieanlagen und Wohngebiete so weit weg wie nur irgend möglich liegen. Selbst in großer Entfernung wird durch die Druckwelle noch vieles zu Bruch gehen.
    Im TV wurde ja mal eine PC-Animation über die Auswirkungen gezeigt.
    Ist es da nicht verständlich, wenn Menschen dagegen demonstrieren?

  • #2

    Karl-Heinz Brüggmann (Montag, 24 Juni 2024 07:41)

    LNG umweltfreundlich?
    Eigentlich war es mir schon klar, dass hier den Bürgern etwas vorgemacht wird, das so nicht stimmt.
    Ich kann nur allen Menschen empfehlen, den Fernsehbeitrag der ARD Story " Das LNG Dilemma, schmutziges US Gas", den ich am 13.06.2024 um 23.10 Uhr auf 3Sat gesehen habe, an zu schauen.
    Da wird auch schnell klar, dass hier in Deutschland eine überteuerte Überkapazität an LNG-Terminals aufgebaut wird.
    Wie sauber das LNG wirklich ist, zeigt schon der Hinweis eines Experten, dass man da besser Kohle verbrennen könne, das würde die Umwelt nicht so belasten. Von der Förderung bis zum Verbraucher gehen u.a. große Mengen LNG (Methan fast 100 mal klimaschädlicher wie CO2) verloren.
    Was allein an Schäden, nicht nur im Umweltbereich, durch den Bau der Pipeline entstanden sind, wird wohl nie wirklich erfahren?